Aufgewärmtes

Ich will so bleiben wie ich bin

 

Jedes Jahr aufs Neue, dann wenn Weihnachten vor der Tür steht, sich Dominosteine, Lebkuchen und Spekulatius in den Regalen der Supermärkte breit machen (also ab August), beginnt bei mir das Ritual des täglichen Wiegens. Frustriert stelle ich fest, dass die drei Kilo, die ich mir  letzten Advent angefuttert habe, immer noch auf den Hüften sitzen. Obwohl ich mich im Sommer ja hauptsächlich von Salat und Obstquark ernähre. Gut, ab und zu (jedes Wochenende, Freitag bis Sonntag), habe ich mir einen Früchtebecher mit Sahne, oder einen leckeren Cocktail aus Giovannis Eisdiele gegönnt und in den sechs Wochen Sommerferien, habe ich die meiste Zeit in der Hängematte gelegen(die einzige Bewegung hatte ich, wenn mein Fuß hin und her schlenkerte, um in den Schaukelmodus zu kommen), dann wird mir bewusst, wenn ich nächstes Jahr nicht sechs Kilo mehr haben möchte, muss ich etwas unternehmen! Den gesamten September verbringe ich also damit, noch mehr auf meine Ernährung zu achten, das klappt ganz gut denn Giovanni schließt recht früh und aus dem Eissalon, wird ein Salon für Btrautmoden den praktischerweise seine Frau betreibt. Trotz Staudensellerie bis zum Erbrechen, bewegt sich die Anzeige meiner Waage nur im Grammbereich nach unten. Im Oktober, wedelt mir mein Mann, der mein ständiges Gejammer nicht mehr hören kann, mit meinenm Mitgliedsausweis aus dem Fitnesstudio vor der Nase herum. Mitte des Monats kommen dann noch Bemerkungen wie: „Hast du eigentlich keine Angst vor ner Thrombose?“, oder: „Ich liebe deinen Bauch, da waren unsere Kinder drin, wie im vierten Monat, da warst du auch so schön griffig.“, hinzu.
Das wirkt! Ich krame meine Sportsachen aus dem hintersten Regal meines Schrankes und fahre zur „Mucki Bude“, um das volle Programm zu starten.
Montag: Bauch, Beine, Po
Dienstag: Power Yoga
Mittwoch: Laufband
Donnerstag: Cybercy-Cycling
Freitag: Schmerzen ohne Ende!
Ich kann keine Treppen mehr steigen, ohne das mir meine Beine ihren Dienst verweigern, mein Hintern fühlt sich an, wie der von J.Lo aussieht, und wenn ich huste oder lache habe ich Angst mir zerreißt es die Bauchdecke. Angefeuert von meinen beiden Großen und meinem Mann beiße ich die Zähne zusammen und trainiere weiter. Nach drei Wochen der erste Erfolg auf der Waage, zwei Kilo weniger!
Inzwischen ist es Ende November und der Duft von Vanillekipferln, Kokosmakronen, Butterplätzchen und Bratäpfeln zieht über die Dächer unseres Dorfes. Auf dem Weihnachtsmarkt werden Maronen geröstet und Mandeln gebrannt, Wurst-Otto grillt rotglänzende Würste und meine Familie schlender zwischen den festlich geschmückten Buden hindurch, ich bin noch nicht soweit. Ich stehe in unserem Bad und betrachte mich im Spiegel. Ja, gestreckt auf Zehenspitzen habe ich einen ganz flachen Bauch und meine Taille ist auch wieder da.“Die Qualen haben sich gelohnt“ denke ich, da stürzt meine jüngste Tochter rein,ohne anzuklopfen versteht sich. In ihrem Gesicht sind die Reste eines kandierten Apfels verteilt (mir läuft das Wasser im Mund zusammen und ich muss mich zurückhalten sie nicht abzuschlecken), mit großen Augen bleibt sie vor mir stehen, dann platzt es aus ihr heraus:“ Oha! Dafür dass du so viel Sport machst,siehst du aber ganz schön unmuskelig aus.“ Ihre Finger bohren sich in meinen Bauch, sie schenkt mir ihr schönstes Lächeln als sie sagt: „Aber schön weich und kuschelig ist der.“ Ich lächle zurück, gebe ihr einen Kuss auf die klebrige Wange, schmeiße di zwicken kauf ich mir ne Neue. Denn ich will so bleiben wie ich bin, verfressen, faul und glücklich!

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