Was passiert hier eigentlich gerade mit uns?

 

Es ist nun schon zwei Monate her dass ich meinen letzten Post veröffentlicht habe, es lag nicht daran, dass es mir an Themen fehlte, ich wusste nicht, wie ich es anstellen sollte, meine bisherige Art zu schreiben weiterzuführen. Diese flapsige etwas ketzerische Art über die Dinge des Alltags zu schreiben in denen sich die meisten von uns wiedererkennen und Dank meiner nicht allzu ernsten Interpretation, zum Schmunzeln bringt. Denn das ist mir wichtig, Situationen, die uns täglich nerven und davon gibt es mehr als genug, einfach mit einem Augenzwinkern sehen. Keiner von uns ist, muss perfekt, sein. So denke ich zumindest und so versuche ich auch meine Kinder zu erziehen und genau aus diesem Grund, konnte ich nicht schreiben. Wenn ich mir anschaue, was gerade so um mich herum passiert, insbesondere im Alltag, unserer Kinder, wird mein Augenzwinkern und Schmunzeln abgelöst von ungläubigem Staunen und der Frage: „Was passiert hier eigentlich gerade?

„Gestern lag meine Jüngste weinend in ihrem Bett und mir wurde bewusst, ich will darüber schreiben, auch wenn uns dabei das Lachen im Hals stecken bleibt.
Meine Tochter wird jeden Morgen, von  ihren Freunden, die mit ihr dieselbe Klasse besuchen abgeholt, da meine Kleine zu so früher Stunde noch nicht so richtig auf Betriebsgeschwindigkeit ist, kommt es ab und an vor dass sie noch etwas in unserem Flur warten müssen. Die Gespräche, die ich da zu hören bekomme, stimmen mich traurig, ja, fast machen sie mir Angst.

Ich erinnere mich noch sehr gut, über welch profane Dinge wir uns auf dem Schulweg unterhalten haben.
Darüber, dass ich zwanzig Pfennig dabei hatte und ich mir am Kiosk dafür 10 Bogen Esspapier kaufen konnte, dass würde die reinste Esspapierorgie werden. Daniela wollte sich Tütchenbrause holen, die, die man so schön mit Spucke auf dem Handteller, zum Schäumen brachte. Dass Martin Lankowsky, wenn er mir noch einmal meine Mütze klaute, ne volle „Tracht“ bekam. Dass man an Patricia Emmerichs Zahnspange immer sehen konnte, was sie am Morgen gefrühstückt hatte und ich auch unbedingt ne Spange haben wollte, aber bloß nicht ne Feste. Und mit roten Köpfen, dass David Betty einen Kuss auf den Mund gegeben hatte, voll eklig! Aber irgendwie war er ja schon süß, der David.

Heute wird über die nächste Klassenarbeit diskutiert, darüber dass die unbedingt besser als die Letzte sein muss, eine 1-2 geht gar nicht, eine glatte Eins muss her, sehr geil währe natürlich noch eine mit Sternchen und Leon hat schon wieder nur ne Drei im Grammatiktest, der darf jetzt zwei Wochen nicht ins Fußballtraining. So kommt der natürlich nie aufs Gymi.
Für meine Tochter ist kürzlich eine Welt zusammengebrochen, weil sie eine Realschulempfehlung bekam. Es brauchte verdammt viel Überzeugungsarbeit ihr klar zu machen, dass die Zukunft nicht nach Abschluss der mittleren Reife endet.

Ja, und gestern Abend lag sie dann schluchzend in ihrem Bett, weil sie zu dick ist. Ich hatte mir bisher nie Gedanken gemacht warum sie immer nur Badeanzüge tragen wollte, sie ist eher burschikos und steht nicht so auf den üblichen Mädchen Schnick Schnack, obwohl pink ist gerade ihre Lieblingsfarbe allerdings nur in Verbindung mit quietsche – grün. Daran liegt es aber gar nicht, es liegt eher daran, dass sie ein kleines Bäuchlein hat und ihre Freundin sie ständig darauf aufmerksam macht, doch mal ein bisschen mehr Sport zu machen, sie wäre ja schon irgendwie dick. Wie es denn mit ihrer Kurve in ihrem U-Heft aussehe, also ihre Kreuzchen werden ja immer leicht unter der Linie gemacht, der Arzt hätte sogar gemeint sie wäre zu dünn (sorry, aber mir würden da jetzt alle Arlarmglocken läuten). Seitdem zeigt sich meine zehnjährige Tochter nur noch mit eingezogenem Bauch in der Öffentlichkeit. Ich wusste als Kind gar nicht, was eine U-Untersuchung ist, wenn es die da überhaupt schon gab, meine Mutter ging mit mir zum Arzt, wenn ich krank war, oder ihr zu blass erschien, dann musste ich Tubenweise Multisanostol schlucken (war lecker nur n bisschen glibberig) und dann war gut.

Ich habe bei  all meinen Kindern regelmäßig die vorgeschriebenen Untersuchungen durchführen lassen, kein Kind war gleich, das eine neigte zum Kräftigen das andere zum Schmächtigen, meine beiden Großen sind inzwischen junge Erwachsene, machen die Ausbildung, die ihnen gefällt, werden geliebt und sind glücklich, also läuft es gerade ziemlich perfekt.

So wird es auch mit meiner Jüngsten sein, sie wird ihren Weg gehen, denn nach einem langen Gespräch gestern hat sie begriffen, das perfekt sein nicht bedeutet dünn zu sein, schöne Haare zu haben oder immer nur die besten Noten, perfekt läuft es, wenn du Spaß hast im Leben, geliebt wirst, dich selbst liebst, und das Glück gesund zu sein, immer genügend essen zu haben und ein zu Hause in dem du geborgen bist.

                                                                                                                  Wir sprachen auch darüber, ob Menschen die hungern, sich je Gedanken darüber machen, dass sie zu viel wiegen könnten oder ob gute Noten und ein Abitur vor Arbeitslosigkeit schützt? Ich glaube sie hat verstanden, auf was es letztendlich ankommt.

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14 Gedanken zu “Was passiert hier eigentlich gerade mit uns?

  1. Liebe Liese,

    ich weiss nicht was Du zum Bloggen fuer ein Programm nutzt, aber seit wir hier bei WP sind, kann ich Deine Texte nicht mehr lesen. Es gibt keine Absaetze mehr, und heute ist ausserdem die Schrift sehr, sehr gross.

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    1. Hach Culbia, ich weiß! Am liebsten würde ich hier alles hinschmeißen, glaub mir ich schreibe mit Absätzen und doch kommt es immer wieder auf der Seite anders raus. Hab mal wieder versucht die Schrift zu optimieren. Keine Ahnung, ob es jetzt wirklich gelungen ist. Hier erscheint die Schrift zumindest kleiner. Trotzdem, Danke dass Du immer mal wieder vorbeischaust.

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      1. Was fuer ein Programm benutzt Du denn? Sorry, wenn ich das so sage, aber dieses problem seh ich ausschliesslich bei Dir, und ganz, ganz ehrlich – es macht deine *GUTEN* Eintraege sehr, sehr schwer zu lesen. Probier doch mal ein anderes Template?

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  2. Obwohl ich selbst keine Kinder habe, bekomme ich diesen Irrsinn ein wenig bei meinen Nichten und Neffen mit. Grausam, womit sich Kinder, die noch nicht einmal im Teenager Alter sind, beschäftigen müssen. Kein Wunder, dass dir das die Lust auf flapsige Beiträge vermiest. Für deine Tochter ist es ein großes Glück, eine vernünftige Mama zu haben, die Abweichungen der U Kurven als nicht schlimm, sondern normal betrachtet und wenigstens versucht, den Blick wieder in die richtige Richtung zu lenken.

    Am Rande…Auf dem Handy ist es gut zu lesen.

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  3. Liebe Mitzi,
    ich denke, dass dieser Erfolgsdruck oft von den Eltern auf ihre Kinder weitergegeben wird. Wir Erwachsene müssen damit anfangen unsere Sinne auf das Wesentliche und wirklich wichtige in unserem Leben zu schärfen, so einfache Dinge wie: Gesundheit, Familie, ein schönes Heim, sicher zu sein und geliebt zu werden.Vielleicht sollten wir einmal darüber nachdenken, ob wir Überflieger haben möchten oder normale, aber glückliche Kinder. Nur dann können wir das auch so weitergeben. Wenn ich mich so umhöre, sind die wenigsten erfolgreichen Menschen auch wirklich zufrieden mit ihrem Tun. Warum gibt es so viele Schönheitsoperationen, warum so viele Burnouts, das Leben im ewigen
    Wohlstand hat uns blind gemacht. So empfinde ich das, was natürlich nicht heißen soll, dass es keinen zufriedenen Menschen mehr gibt. 😉

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  4. Vor ein paar Tagen habe ich einen Artikel gelesen über ein Buch, das eine australische Krankenschwester veröffentlicht hat, die lange in einem Hospiz gearbeitet hat. Solche Zitate, was am Lebensende wichtig ist, kursieren ja auch immer wieder auf Facebook.

    Jedenfalls … „niedriger Status, unbefriedigte Rache, oder Bedauern, nicht die Dünnste, Hübscheste oder Berühmteste gewesen zu sein, fanden keine Erwähnung.“

    Ich weiß nicht, wie alt deine Tochter ist. Mit 10 (?) sieht man das natürlich anders als mit 85, aber als die wunderbare Mutter, die du bist, findest du sicherlich die richtigen Worte, um diese Message kindgerecht zu verpacken.

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  5. es ist so schön, dass du deine tochter diese antworten geben konntest und sie sie auch versteht und annimmt. es gibt genug kinder, die wegen ihrer eltern eine macke haben.

    und zu dem u-heft: ich bin gewarnt und werde mein kind von seinem untersuchungsheft fernhalten. die müssen ja auch überhaupt nicht wissen, dass es sowas gibt.

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