Jetzt hat sichs ausrabimmelt

Aus gegebenem Anlass noch einmal …

Dieses Jahr habe ich an dem traurigsten Martinsumzug in meiner gesamten Martinsumzugslaufbahn teilgenommen und das waren schon einige, meine Eigenen in denen ich Kind war nicht mal mitgerechnet. In meiner Kindheit wurde die Prozession von einem edlem Ross und stattlichem Reiter angeführt. Selbst bei meinem Sohn gab es ein Pferd, wenn auch nur eine alte Mähre vom Gnadenhof und einem fettleibigen nicht mehr ganz so stattlichen Reiter, dafür aber echt, aus Fleisch und Blut, ja gut er war angetrunken (sturzbesoffen) und konnte sich nur mit Mühe und Not auf dem Sattel halten, aber das interessierte doch keinen der kleinen munter vor sich her singenden Laternenträger. Für sie war Feuerwehrhauptmann Schneider der Sankt Martin und je größer der Mantel desto mehr für den armen Bettler. Bei meiner großen Tochter war das Pferd dann schon ein Pony, das an der Trense von einer St. Martina geführt wurde. Aber egal, es war dunkel, die bunten Lampions leuchteten um die Wette, feine Stimmchen trällerten Lieder, die schon unsere Großeltern zum Besten gaben und zum Schluss gab es Punsch und Butzemännchen für alle. Bei meiner Jüngsten gab es weder Pferd noch Pony geschweige denn irgendetwas, das hätte einen Heiligen Martin verkörpern können.  Aber man gab sich wenigstens Mühe und führte den Weg idyllisch unter alten Weiden am Vater Rhein entlang, schön dunkel, so dass die selbstgebastelten Laternen der Kinder voll zur Geltung kamen, zwischendurch wurde immer mal wieder Halt gemacht, um auf die Klängen der örtlichen Bläserkapelle, „Sankt Martin war ein guter Mann“ oder „Ich geh mit meiner Laterne“ einzustimmen. Zum Schluss gab es zwar keine traditionellen Hefemännlein, dafür aber Selbstgebackenes, Punsch und ein wunderschönes großes Martinsfeuer. Dieses Jahr war alles anders. Nach dem die Mütter von „Marie Lou“ und „Rabea“ Bedenken äußerten, dass ihre Kinder ja im Dunkeln über irgendwelche Wurzeln oder Steine stolpern und dann durch das Geländer in den Rhein schlittern könnten, entschied man sich für eine neue Marschroute. Ja, es gab tatsächlich letztes Jahr einen kleinen Zwischenfall. Manuela, die Freundin der beiden Mütter, denen ein Laternenlauf  im Mondschein zu riskant war, strauchelte und zwar über ihre eigenen Füße, der dritte Glühwein mit Schuss, den sie wegen der bitteren Kälte ( 11° C) schon vor dem Umzug zu sich genommen hatte, war irgendwie etwas zu stark geraten. Sie riss ihren Sohn Norman mit sich und begrub ihn und seine Laterne „Nightmare“ mit elektronischem Technoleuchtstab  (bei Kak für 2,19 Yen) unter sich. Also verlegte man den Beginn auf sechzehn Uhr, da ist es noch schön hell und falls es doch mal ein sehr trüber Tag sein, oder man von der Dunkelheit überrascht werden sollte, ging der Zug sicherheitshalber durch die grell beleuchtete Fußgängerzone. Meine Jüngste machte mir die Hölle heiß, wie blöd das denn alles sei und als sie dann noch erfuhr, dass es kein großes Feuer (wegen des Funkenflugs) geben würde, schmiss sie mir ihre Laterne vor die Füße, die dann direkt, da wir noch echte Kerzen benutzen, in Flammen aufging.                          Sofort hörte man es hysterisch schreien, „es brennt, es brennt“, verstörte Kinder fingen an zu weinen, bis ein geistesgegenwärtiger Vater die Feuersbrunst auspinkelte.     Vor Frust soff ich klebrig – süßen Kinderpunsch bis mir schlecht wurde. Auf dem Nachhauseweg bekam ich noch mit, wie sich einige aufgeregte Eltern überlegten, ob man für das nächste Jahr nicht einfach einen Cyber Laternenumzug organisieren solle.In der Stadthalle abgedunkelt vor ner großen Leinwand. Spätesten da, hatte es sich bei mir ausrabimmelt!

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2 Gedanken zu “Jetzt hat sichs ausrabimmelt

  1. Rabimmel rabammel rabumm!
    Oh Mann! Der Eintrag war aber ganz schön lang. Aber schön. 😀
    Also ich war noch nie zu einem Martinsgansumzugsdingens. Unsere Jungs auch nicht. Jedenfalls nicht, solange sie noch klein waren und zu Hause gewohnt haben. Ich glaube, das gab es auch gar nicht in der German Democratic Republic. Ist der Martinsgans-Rabimmelmarsch was Kirchliches? Bestimmt. Also nix verpasst. Und Gans esse ich auch nicht. Ist mir zu fett.

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    1. Puh, da haste aber Glück gehabt. Ja, es ist was Kirchliches, und obwohl meine Kinder alle drei nicht getauft sind, sind wir immer mit marschiert.
      Für die ganz Kleinen ist das auch ein tolles Event, mit Laternen basteln und im Dunkeln durch die Gassen ziehen. Ich bin allerdings heilfroh, dass meine Jüngste jetzt auch aus dem Alter raus ist. :))
      Gänse haben wir übrigens nie gegessen, nur Hefegebäck.;)

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