Aufgewärmtes

Sind wir denn nicht alle ein bisschen Pilcher

Wenn man es mal realistisch betrachtet sind doch im Grunde alle Liebesgeschichten nach dem gleichen Schema gestrickt. Vollkommen egal, ob es sich nun um ein Stück von William Shakespeare, einen Roman von Rosamunde Pilcher oder einfach nur die Romanze zwischen Frau Hinz und Herrn Kunz handelt. Zwei Protagonisten, meist Mann und Frau, manchmal auch Frau, Frau, oder Mann, Mann und in ganz seltenen Fällen Mann, Schaf, verlieben sich und müssen damit es nicht langweilig wird, erst einmal ziemlich viele Hindernisse überwinden, bevor sie sich am Ende kriegen. Haben sie sich dann endlich, gibt es entweder ein Happy End, sehr beliebt bei Frau Pilcher, oder es endet im Drama, sie sind endlich zusammen, müssen aber sterben, wie bei dem guten alten Shakespeare. Wem immer sei Dank, kommt das mit dem Sterben im wahren Leben nicht allzu oft vor. Ja, zugegeben der Ort der ersten Begegnung ist bestimmt nicht immer so malerisch wie in „Sommer der Liebe“ oder „Mann meiner Träume“… Die meisten von uns sind sich auch bestimmt NICHT das erste Mal auf einer grünen Steilklippe, mit Blumen die Namen wie Honigklee, Katzenpfötchen oder Buschwindröschen tragen, begegnet. Sie wurden auch nicht vom Geruch salziger Seeluft, vermischt mit dem zarten Duft der Rosen, die an den Mauern eines Cottages entlang rankten, betört. Die Meisten von uns, standen sich wahrscheinlich in einer verräucherten Kneipe, Diskothek ( früher nannte man Clubs so) oder in einem alten klapprigen Fahrstuhl, der nach eingetrocknetem Urin, kaltem Zigarettenrauch und abgestandenen Essensgerüchen stank, gegenüber. So wie mein Mann und ich. Das kleine Cottage war ein multikulturell genutzter Wohnblock, in dem das Kulturelle sichtlich zu kurz kam. Wir besuchten unabhängig von einander eine Freundin, die dort ihre erste eigene 19,5qm – Wohnung hatte. Wir sahen uns und waren uns sofort sympathisch ( es knisterte dass der Fahrstuhl beinahe stecken blieb), während ich überlegte, wie es wohl sein würde wenn wir uns das erste Mal küssten, konnte er seine Blicke nicht von meinen wohlgeformten… langen Locken lassen. Als wir beide vor der gleichen Wohnungstür standen wechselten wir die ersten Worte miteinander. “ Ach was für ein Zufall, sag bloß du willst auch zu Betty?“
„Ja sie ist meine beste Freundin und wer bist du? Hab dich noch nie bei ihr gesehen.“
„Schon möglich, wir sind auch erst seit `ner Woche zusammen, aber du musst Liese sein, Betty erzählt andauernd von dir, ihr seid ganz dicke miteinander was?“  Ja, Betty hatte mir schon die ganze Woche von ihrem neuen megacoolen Typ erzählt, sie wollte mich mit diesem Treffen zu dritt überraschen.
Die Überraschung war ihr gelungen und ich unglücklich verliebt. Aber genau da haben wir ihn, den Bogen zum Ablauf für eine gute Liebesgeschichte…sie müssen erst einige Hindernisse überwinden, bevor sie sich kriegen… bei uns hat das genau zehn Jahre gedauert und was wir in der Zeit alles erlebt haben, das hätte die Pilcher auch nicht besser schreiben können.

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