Über den Wolken

Mit mir als Fluggast wird der Beruf Flugbegleiterin zu einer echten Herausforderung, ich bin immer diejenige, die als Letzte und  erst nach mehrmaligem Aufrufen an Bord gezogen wird.

Meine Familie lümmelt meist schon vollkommen relaxt in ihren Sitzen, bevor ich von der liebenswürdigen Dame mit dem Dauerlächeln, freundlich aber energisch in meine Sitzreihe geschoben werde. Ich habe es schon mit Valium probiert, mit dem Ergebnis, dass ich nicht nur den Flug auf die Malediven, sondern auch die Hälfte unserer Hochzeitsreise verpennt habe. Ein anderes Mal mit Bloody Marys bis zum Verlust der Muttersprache, aber außer  dass man mir androhte mich in Handschellen zulegen, wenn ich nicht aufhören würde lauthals schmutzige Lieder und Zoten von mir zu geben, hat das nichts gebracht. Fünf Minuten nach der Ermahnung, gab ich nur noch die vier Liter Tomatenalkoholmischung von mir, schön in den Mittelgang, da wurde aus dem inzwischen schon leicht angefrostetem Lächeln der Stewardess ein wahrer Killerblick und „schwupps“ war meine Flugangst wieder da. Das war übrigens auch das erste Mal, dass mein Mann mich verleugnete.

Hypnose, Meditation, Autogenes Training, Globuli, Akkupunktur alles zwecklos. Bis auf das eine Mal, an dem mein Sohn mir merkwürdig schmeckende Kekse verabreichte, auf meine Frage was denn da drin sei, antwortete er: „Mama, glaub mir, das willst du gar nicht wissen.“ War mir dann auch sehr schnell egal, ich hatte nie einen entspannteren Flug, kicherte die ganze Zeit vor mich hin und konnte gar nicht genug Luftlöcher kriegen. Als wir Jahre später wieder einmal fliegen mussten, fragte ich ihn, ob er mir nicht noch mal diese Kräuterkekse backen könne, er gestand mir dass die Kräuter Cannabis waren, die der Vater eines Schulkameraden (den Namen wollte er mir nicht nennen) auf seinem Balkon angepflanzt hatte. Wurst, ich wollte diese Kekse haben. Leider ist die Sache irgendwann aufgeflogen und ich  muss mich weiterhin in die Armlehne des Sitzes oder den Arm meines Mannes krallen.

Bald ist es wieder soweit, ich fange schon an schlecht zu schlafen und sporadisch in Tüten zu atmen. Gestern hat mir mein Mann eine CD von Reinhard Mey mitgebracht, ich soll mir jetzt stündlich seinen Hit „… über den Wolken…“ anhören. So lange bis ich es glaube, dass dort die Freiheit grenzenlos ist. Na dann…

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5 Gedanken zu “Über den Wolken

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