Auch ne Liese Müller muss mal ins Freibad

Aus gegebenen Anlass, ein schon etwas älterer Post, auf meinem neuen Blog.;)

Letztes Wochenende war es soweit, meine Tochter kniete mit Schweißperlen auf der Stirn und einem 1a Dackelblick, flehend vor mir: „Biiittööööö Mama lass uns ins Freibad gehen, mir ist so heiß und keiner ist da, mit dem ich sonst gehen könnte.“
„Was ist mit Lisa?“
„Die ist in Italien.“
„Und Sarah?“
„Die besucht ihren Bruder in Köln.“
„Leoni?“
„Bei Oma und Opa.“
„Felix?“
„Scharlach.“
„Der alte Dombrowski?“
„Mama!!“ Ich blinzelte zum Thermometer: 35°C. „Ich könnte dir deine alte Babybadewanne mit Wasser befüllen.“
„Mama, ich bin fast zehn.“
„Du könntest ins Haus gehen und was basteln.“
„Im Haus ist es auch heiß, außerdem will ich ins Schwimmbad.“
„Ach komm, so heiß ist es doch gar nicht.“
„Du stehst ja auch mit deinen Füßen im Sektkühler.“
„Mmmmmpfff, meinetwegen.“
„Mama du bist die Beste!“
„Jaja blabla.“

Ich hasse Schwimmbäder! Wenn ich nur daran denke, wer da alles ins Wasser pinkelt, rotzt, spuckt, schwitzt und haart, bekomme ich schon juckenden Ausschlag. Obwohl ich es möglichst vermeide, auch nur irgendwie mit dem Wasser in Berührung zu kommen, würde ich mich am liebsten beim verlassen des Bades unter die Fußdesinfizierungsdüse legen und mich Ganzkörperbesprühen lassen. Funktioniert nicht, habs schon ausprobiert.
Während ich so in der Schlange von schwitzenden mehr oder ( in den meisten Fällen) weniger bekleideten, verbrutzelten Menschen stand, fiel mir ein, warum ich noch nicht gerne in Freibäder gehe. Wegen der Leute, die sich dort aufhalten. Die Frau vor mir zum Beispiel, blondgebleichtes, splissiges Haar auf rückenfreier, braun gegerbter Lederhaut, mit frischer Sommerbräune hat das nix mehr zu tun. Ich fragte mich, ob die das Wort Hautkrebs buchstabieren kann, geschweige denn weiß, was Hautkrebs ist.“Das macht dann 4,50 Euro für sie beide.“ Ich fasste es nicht drei Euro nur für dumm auf der überfüllten Wiese rumliegen. Frau Lederstrumpf breitete sich keine fünfzig Zentimeter neben mir aus ( meine Tochter war längst in den kühlen Fluten abgetaucht), und streifte ihr knappes Kleidchen ab, um den noch knapperen Bikini zu präsentieren. In der Leistengegend hatte sie ein eitriges Exzem, was sich, wem immer sei Dank, bei näherer Betrachtung als Tätowierung herausstellte. Überhaupt, beschlich mich das Gefühl, dass ich hier die Einzige war, die noch keine Verewigung in Tinte auf ihrer Haut hatte, selbst das biedere Herdheimchen Cornelia Mayer hatte sich das Antliz ihres neugeborenen Sohnes auf den Oberarm tätowieren lassen. Also wenn man mich fragt, sieht dieses Tattoo aus wie ein Blumenkohl mit Augen, aber mich fragt ja keiner. Mit der gängigen Bademode kann ich auch nicht mithalten, ich trage Tankini, bedeckt schön den Bauch. Ich habe drei Schwangerschaften hinter mir und da ich nicht wie Heidi Piepsi Klum direkt nach dem Abnabeln mit Rückbildung und Bodyworkout angefangen habe, ist mein Bauch eben nicht mehr ganz so straff. Außerdem bin ich der Meinung, dass man mit Mitte bis fast Ende vierzig, nicht mehr unbedingt mit Tangahöschen und Triangeloberteilen, die gerade mal das Nötigste bedecken, herumlaufen muss. Ich weiß nicht, was schlimmer aussieht, wenn diese Damen an meiner Decke vorbei stolzieren ( nicht ohne mir ein mitleidiges Lächeln zuzuwerfen versteht sich): Die Zellulite oder das erotische Muster des Drahtgeflechtsessels „Hang Loose“ vom Kiosk an ihrem Hintern.
„Mamaaa krieg ich n Eiheis?“
„Ja! Meinst du nicht wir können dann auch bald mal wieder nach Hause fahren?“
„Wir sind doch eben erst gekommen, außerdem ist da vorne Olivia, mit der will ich noch vom Fünfer springen.“
Ich schaute über den Rand meiner Sonnenbrille und sah Olivias Mama winken, ihr durchtrainierter Körper steckte in zwei neonpinken Ministofffetzen, farblich, auf die mit Strasssteinchen besetzten Fingernägel, abgestimmt. „Huhuu!“ Grölend winkte meine Tochter zurück. Kurz bevor sie los düste zischte sie mir noch zu: „Hach, Olivias Mama sieht immer so schöööön aus.“ Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich Schwimmbäder hasse?

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2 Gedanken zu “Auch ne Liese Müller muss mal ins Freibad

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